16 forum kriminalprävention 1 2019 WISSENSCHAFT UND PRÄVENTION so Mildner 2008 der zum Ausdruck bringt dass trotz umfassender Erklä rungen und Beschreibungen nicht geklärt werden kann ob Sozialarbeit mit Fußballfans präventiv wirkt Mild ner 2008 S 46 Stahl 2015 argumentiert ähnlich indem er schreibt Gesellschaftliche Großphänomene wie Jugendgewalt und Fußball sind so vielschichtig und von so vielen Faktoren abhängig dass es außerordentlich schwierig ist den Einfluss den einzelne Ereignisse dies bezüglich ausüben genau festzustel len oder gar zu quantifizieren Stahl 2015 S 18 Auf die Schwierigkeit Erfolge der Fußballsozialarbeit messbar zu ma chen gehen auch Anthonj et al 2015 S 109 ein diskutieren aber zugleich inwieweit die vorgebrachten Beden ken für die Beteiligten auch einen Teil von Selbstlegitimation enthalten könnten um ihre Positionen als Ak teure in diesem Feld zu sichern Es stellt sich daher die Frage inwie weit diesen Argumentationslinien ge folgt werden kann Herrschen im ge sellschaftlichen Bereich des Fußballs tatsächlich so unterschiedliche Bedin gungen im Vergleich zu anderen prä ventiven Arbeitsfeldern vor in denen Wirkungsevaluationen durchaus im Rahmen des Machbaren sind Zweifelsohne stellt die Vielzahl an möglichen Einflussfaktoren bei ei nem Bundesligaspiel das mehrere Zehntausende Menschen besuchen eine große Herausforderung dar Aber ein Mangel an empirischen Stu dien existiert ebenso im Amateurbe reich bei dem sich das Setting deut lich einfacher gestaltet Statistische Methoden ermöglichen es multikau sale und nichtlineare Zusammenhän ge zu identifizieren vgl Beelmann Hercher 2016 S 108 Auch in der Komplexität der Sozialarbeit liegt kein Spezifikum dass eine Wirkungs evaluation per se unmöglich machen würde Gleichzeitig steht außer Fra ge dass beispielsweise der Nachweis des Nutzens primärpräventiver Maß nahmen extrem schwer zu führen ist Kampagnen wie Fair ist mehr die einen wesentlichen Bestandteil gewaltpräventiven Handelns im Fuß ball darstellen eignen sich daher we niger für eine Wirkungsevaluation als Maßnahmen die der Sekundär oder Tertiärprävention zuzuordnen sind Als Faustregel der Evaluation gilt Je weiter eine Präventionsmaßnahme dem eigentlichen Problem z B einer Straftat zeitlich vorgelagert ist und je unspezifischer dabei der Adressa tenkreis ist desto länger müssen die Beobachtungszeiträume und desto größer muss die Teilnehmerstichpro be der Evaluationsstudie sein um die präventiven Effekte statistisch nach weisen zu können vgl Beelmann 2016 S 296 Es sind in der Regel also nicht methodische Unmöglichkeiten die eine Wirkungsevaluation verhin dern sondern forschungsökonomi sche Grenzen wenn der Aufwand der Untersuchung nicht im richtigen Ver hältnis zu dem erwarteten Erkennt nisgewinn steht Dies stellt allerdings kein Spezifi kum des Fußballsports dar sondern gilt gleichermaßen für die meisten Arbeitsfelder der Kriminalprävention Dass die Überprüfung von Wirkannah men im Profi Fußball dennoch durch aus im Bereich des Möglichen liegt zeigt sich exemplarisch am methodi schen Vorgehen der ZEVA NRW Auch dort setzten sich die Autoren selbst kritisch damit auseinander inwieweit ihre Evaluationen dem wissenschaft lichen Anspruch der Überprüfung von Kausalität standhalten können vgl LKA NRW 2013 S 5 In der Folge prä sentierten die Evaluatoren eine Wir kungskette die auf der konkreten Beschreibung des Problems seiner Ursachen und der vorgeschlagenen bzw untersuchten Maßnahmen ba sierte Durch die klare Formulierung von Teilzielen die linear aufeinander aufbauten traten verschiedene Wir kungsebenen hervor LKA NRW 2016 S 5 Erfolge oder Hindernisse bei der Umsetzung von Maßnahmen können so leichter identifiziert werden Die ses Vorgehen erlaubt somit Aussa gen darüber ob eine Fortführung von Maßnahmen auch dann sinnvoll sein kann wenn das übergeordnete Ziel also etwa die deutliche Reduzie rung gewalttätiger Auseinanderset zungen durch das bisherige Handeln noch nicht erreicht werden konnte Insbesondere können nicht planbare oder schwer vorhersehbare Einflüsse z B extremes Wetter außergewöhn liche Spielausgänge wie Kanter oder Underdog Siege in letzter Sekunde gedrehte Spiele maßgebliche Aus löser für das Nicht Stattfinden von gewaltsamen Konflikten sein Diese können ebenso wie andere Faktoren beispielsweise ortsspezifische Groß wetterlagen wie Fan Boykotte oder Sportgerichtsauflagen als Folge vor heriger Spiele berücksichtigt werden ohne dass gleich die ganze Wirkungs kette infrage gestellt werden muss Nachfolgende Wirkungsevaluati onen im Bereich des Fußballs sollten sich daher eine solche Aufgliederung des Forschungsgegenstands in nach vollziehbare Teilschritte dringend zum Vorbild nehmen Empfehlungen zur Vermessung von Ausmaß und Qualität der Gewalt im Fußballsport Zuvorderst ist es unbedingt not wendig sauber zu bestimmen wel ches Ausmaß und welche Qualität von Gewalt im Fußballsport der vorge beugt werden soll überhaupt vorlie gen Ohne eine solche Diagnose kön nen auf diesem Weg Programme oder Maßnahmen zur Bearbeitung ei nes sozialen Problems Karriere ma chen die keineswegs in ihrer Wir kung gesichert sind Anthonj et al 2015 S 111 Die Bestimmbarkeit des Ausmaßes von Gewaltvorfällen ist die Grundvoraussetzung für die Feststel lung positiver oder auch negativer Veränderungen durch Präventions maßnahmen Diesem fundamentalen Erfordernis haben die Funktionäre im Verbandswesen in der Vergangen heit allerdings zu wenig Beachtung geschenkt Für die Bestimmung des Aufkom mens von Gewaltvorfällen im Profi bereich werden seit geraumer Zeit die Daten der ZIS herangezogen z B Kraus 2010 Anthonj et al 2013 Kin zig 2014 Genauso lang also seit dem ersten Jahresbericht zur Saison 1999 2000 äußern Praktiker ebenso wie Wissenschaftler Kritik an der Art und Weise der Datenerhebung da sie nicht die Realität sondern die polizei liche Arbeitslogik abbilde oder aber besonders interessante Informatio nen nicht erhoben würden z B Art oder Schwere von Verletzungen Da die Datensammlung der ZIS ur sprünglich nur für den internen po lizeilichen Gebrauch und keinesfalls für wissenschaftliche Zwecke konzi piert wurde gilt diese Kritik weniger der ZIS selbst als ihrer Verwendung da sie sich mangels Alternativen inzwischen zum gängigen Messin strument entwickelt hat sollte man darüber nachdenken inwieweit sich in Zukunft auf dem Grundgerüst der ZIS Daten weiterführende Fragestel lungen sinnvoll beantworten las sen Die derzeitige Veröffentlichung der Daten in aggregierter Form ver schafft zwar allgemein einen guten Überblick eignet sich aber nicht zur

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