3forum kriminalprävention 4 2019 SCHWERPUNKT Einleitung In diesem Beitrag geht es nicht um Prävention im Sinne von Verhin derung von delinquentem Verhalten Dabei gibt es diese Diskussion in der Offenen Kinder und Jugendarbeit OKJA durchaus 2008 veröffentlich te der Kriminologe Christian Pfeiffer Untersuchungsergebnisse aus Han nover die zu dem Schluss kamen dass Jugendzentren sich als eigen ständige Verstärkungsfaktoren der Jugendgewalt auswirken Jugendli che die oft solche Einrichtungen der OKJA besuchen träten erheblich häu figer mit Gewalttaten in Erscheinung als Jugendliche die nie an diesen Or ten zu finden sind Jugendhäuser soll ten eher geschlossen werden als ihre Angebote auszuweiten Pfeiffer et al 2008 Diese Thesen sind in der OKJA nicht ohne Widerspruch geblieben U a wird kritisiert dass der kausa le Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung Jugendhausbesuch und Jugendgewalt nicht inhaltlich hergeleitet und theoretisch begrün det wird Expertengruppe Offene Ju gendarbeit 2008 Diese Debatte wie auch Analysen zu Präventionsangeboten Anti Gewalt oder Anti Aggressions Trainings die durchaus in der OKJA zu finden sind sind nicht Thema dieses Beitrags Es geht vielmehr um die Angebote und Offene Kinder und Jugendarbeit und Prävention Möglichkeiten und Grenzen1 Maria Icking Ulrich Deinet Offene Kinder und Jugendarbeit OKJA ist eine kommunale Infrastruktur mit einem niedrigschwelligen und freiwilligen Angebot von dem sozial be nachteiligte Kinder und Jugendliche in besonderem Maße profitieren kön nen Im Fachdiskurs der OKJA stößt der Präventionsgedanke allerdings häu fig auf Bedenken da man das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen nicht von vornherein als risikobehaftet und gefährdet betrachten möch te In der Praxis lassen sich mehrere Handlungsfelder identifizieren in de nen die OKJA über präventives Potenzial verfügt und präventiv wirkt Die Leistungen der OKJA werden in kommunalen Präventionsnetzwerken bis lang nicht ausreichend wahrgenommen und beachtet Ihre Angebote soll ten stärker miteinbezogen werden ohne aber ihre Grundausrichtung damit zu unterlaufen Leistungen dieses Feldes der Jugend hilfe die auch in den eigenen Reihen anders als z B frühkindliche Hilfen nicht unter dem Aspekt Prävention wahrgenommen werden Notwen dig ist dabei allerdings ein Präventi onsbegriff der nicht als defizitorien tierte Vermeidungsstrategie sondern als ressourcenorientierte Ermögli chungsstrategie verstanden wird Was ist Offene Kinder und Jugendarbeit Die Offene Kinder und Jugendar beit OKJA ist in ihren Inhalten Me thoden und Angeboten offen weil sie sich an den häufig wechselnden Themen und Interessen von jungen Menschen orientiert und ihnen Frei räume eröffnet diese einzubringen und zu gestalten Der Zugang zu den Angeboten ist einfach und unkompli ziert das Mitwirken der jungen Men schen freiwillig und nicht an eine Mit gliedschaft gebunden Schwerpunkt der OKJA ist die Freizeitgestaltung sie eröffnet Kindern und Jugendlichen zugleich einen Zugang zu bildungs bezogenen kulturellen und sportli chen Angeboten Offene Kinder und Jugendarbeit richtet sich an alle Kin der und Jugendlichen Das Jugend bild von dem in der OKJA ausgegan gen wird ist grundsätzlich positiv Im Blick stehen nicht die möglichen Ge fährdungen denen Kinder und Ju gendliche ausgesetzt sein könnten sondern die Förderung der jungen Menschen in ihrer Entwicklung Zur Infrastruktur der OKJA zählen Kinder und Jugendeinrichtungen die je nach Tradition Trägerschaft und Region unterschiedlich genannt werden Jugendzentren Jugend häuser Jugendclubs Jugendfreizeit stätten oder Häuser der offenen Tür Dar über hinaus sind Abenteuerspiel plätze Spielmobile sowie andere mo bile und aufsuchende Angebote Teil dieser Infrastruktur Träger der Ein richtungen sind sowohl die Kommu nen als auch freie Träger wie beispiels weise die Wohlfahrtsverbände Obwohl sich die Offene Kinder und Jugendarbeit grundsätzlich an alle jun gen Menschen richtet erreicht sie be nachteiligte Kinder und Jugendliche die unter schwierigen sozialen und familiären Verhältnissen aufwachsen in überdurchschnittlichem Maße Von den Angeboten der OKJA profitieren also gerade auch solche Kinder und Jugendliche in besonderer Weise die aufgrund ihrer Herkunft häufig weni ger Zugang zu freizeitbezogenen und kulturellen Angeboten haben Die Rahmenbedingungen der OKJA werden durch das SGB VIII Kinder und Jugendhilfe gesetzt und für NRW zum Beispiel im Kinder und Jugendförder gesetz ausgeführt und mit Landesför derung hinterlegt Ein wichtiges Pla nungsinstrument ist der Kinder und Jugendförderplan KJFP NRW Im KJFP NRW 2013 2017 wird der Förderschwer punkt Prävention von Benachteili gungslagen und Risiken des Aufwach sens ausdrücklich aufgeführt während dem Ziel der Einbindung der OKJA in kommunale Bildungslandschaften eine eigene Förderposition zugewiesen ist ist die Einbindung der OKJA in kommu nale Präventionsnetzwerke bzw Prä ventionsketten hingegen kein eigens ausgewiesener Förderbereich 1 Der Beitrag ist eine Zusammenfassung einer aus führlichen Studie die für das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung FGW Düsseldorf erstellt wurde Sie ist hier zu finden https ispe net de wp content uploads 2018 07 Langfassung pdf

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