EDITORIAL 2 forum kriminalprävention 4 2020 Liebe Leserin lieber Leser während Gewaltvorkommnis se im öffentlichen Raum weithin sichtbar sind bleiben körperli che psychische und sexualisierte Gewaltformen in engen sozialen Beziehungen wie in der partner schaftlichen Lebensgemeinschaft zwischen Eltern und Kindern im fa miliären Umfeld in der häuslichen und institutionellen Pflege oder in Gemeinschaftsunterkünften häu fig im Verborgenen Aufgrund der gravierenden Opferschädigungen und auch aus der statistischen Re levanz heraus leitet sich besonde rer Handlungsbedarf ab Ein Schwerpunkt des staatli chen und zivilgesellschaftlichen Engagements zielt auf Partner schaftsgewalt die ganz überwie gend Frauen mehr als 80 aller Opfer betrifft sowie mehrheitlich von Männern ausgeübt wird mehr als 80 aller Täter und strukturell in einem geschlechtsspezifischen Diskriminierungskontext steht 1 Ihre Prävention fußt auf den zi vilgesellschaftlichen Bemühun gen zur Gleichstellung von Frau en und hat ab den 1990er Jahren vielfältige politische rechtliche und administrative Regelungen zur Folge gehabt Auf Bundesebe ne waren es Gesetze Aktionspläne und Maßnahmenkataloge die von wissenschaftlichen Studien und fortwährender öffentlicher The matisierung begleitet wurden Renate Schwarz Saage zeichnet wesentliche Schritte bei der Prä vention der Gewaltformen nach beschreibt aktuelle Entwicklun gen und weitere Erfordernisse Es ist viel erreicht und dennoch ist die Prävention noch nicht am Ziel Stefanie Keienburg präsen tiert als einen wichtigen Meilen stein das Hilfetelefon Gewalt ge gen Frauen Ines Hohendorf stellt Ergebnisse ihrer Untersuchung zu Ausmaß und Form von Beziehungs gewalt junger Menschen vor Anja Wells gibt schließlich Handlungs empfehlungen zur Prävention ge schlechtsspezifischer Gewalt in deutschen Flüchtlingsunterkünf ten Zur Eindämmung der Coro na Pandemie 2020 gab und gibt es Bewegungs und Kontaktein schränkungen die dazu führen dass viele Familien und Lebensge meinschaften permanent in en ger räumlicher Nähe und außer halb mit deutlich eingeschränkten unmittelbaren Sozialkontakten le ben und arbeiten müssen Der Kita und Schulbetrieb wurde im Frühjahr über Wochen eingestellt viele Menschen geraten seitdem in Kurzarbeit oder sind im Home office Der ambulante und statio näre Pflegebetrieb erreicht häufig seine Belastungsgrenzen Soziologische und psycholo gische Modelle gehen davon aus dass eine Zunahme von Belas tungsfaktoren wie z B räumliche Verengung Veränderung der All tagsroutinen Überlastungen oder Langeweile Arbeitslosigkeit sozia le Isolation finanzielle Einschnitte oder erhöhter Suchtmittelkonsum die Empfindlichkeit und Aggressi vität von Betroffenen deutlich er höhen kann insbesondere dort wo es bereits ein Belastungsprofil gibt aber auch in sonst konflikt freien Konstellationen Das Gewalt risiko steigt bei zunehmendem strukturellen Stress in allen engen sozialen Gefügen besonders für Kinder Frauen und Pflegebedürf tige Erschwerend kam hinzu dass z B Fluchtmöglichkeiten zu Freun den oder in Frauenhäuser und die etablierten Schutz und Unterstüt zungsangebote zeitweise nur ein geschränkt erreichbar waren Den noch haben sich die Akteure der Gewaltprävention und Opferhil fe schnell darauf eingestellt und auf die bestehenden und erwei terten Angebote des Unterstüt zungssystems aktiv hingewiesen besonders auch zur Selbsthilfe im Bereich Erziehung z B mit dem Portal Positiv Eltern sein in unsi cheren Zeiten oder durch das An gebot Kitagold Je länger die Pandemie andau ert desto häufiger tauchen in der Öffentlichkeit vor allem in sozialen Medien konspirative Deutungs muster und Verschwörungserzäh lungen auf die Hass schüren und rechte Gewalt legitimieren Jose phin Kleemann und Marc Coester geben einen Überblick Liebe Leser innen der Satz Wie die Zeit vergeht bringt zum Aus druck dass sich im Leben alles ir gendwie im Fluss befindet und der Moment der Gegenwart schnell vergänglich ist Unterschiedlich ist die Wahrnehmung des Tempos von Zeitabläufen sowie auch ihrer Dauer Die rückblickende Schät zung der Zeitdauer von bestimm ten Ereignissen stützt sich auf Er innerungen die wiederum von Art Umfang und Intensität der erleb ten Aktivitäten abhängen Komple xe und intensive Beschäftigung er zeugt reichhaltige Erinnerungen das Zeitintervall erscheint im Rück blick länger Wenn die Ablenkung dabei wiederum groß ist vergeht die Zeit schneller Die COVID 19 Pandemie hat die Zeitwahrnehmung bei vielen Men schen verändert Einer britischen Studie2 zur Folge hatten 20 von 600 Befragten den Eindruck dass die Zeit im normalen Tempo ver strich für 40 verging die Zeit schneller als normal und weitere 40 nahmen den Verlauf der Zeit langsamer wahr Die Resultate zei gen dass signifikante Veränderun gen im Leben einen erheblichen Einfluss auf unsere Zeitwahrneh mung haben In diesem Sinne wünsche ich Ih nen eine ruhige langsame Weih nachtszeit in der die Gegenwart weiterfließt und zum Zeitgenuss wird Nicht rascher werden damit mehr Zeit da ist Es ist dann immer weniger Zeit warnt der Schrift steller Elias Canetti Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen Gesundheit und vor allem Ausdauer bei der wichtigen Prä ventionsarbeit Vorstand und Ge schäftsstelle des DFK sowie das NZK wir freuen uns auf gute Zu sammenarbeit und gemeinsame Erfolge in 2021 Ihr Wolfgang Kahl 1 Für Partnerschaftsgewalt werden zum Teil syno nym die Begriffe Gewalt gegen Frauen und Häus liche Gewalt verwendet Bei Gewalt gegen Frauen steht der geschlechtsspezifische Aspekt im Vorder grund und wird als Teil einer strukturellen Diskrimi nierung von Frauen verstanden Partnerschaftsge walt bzw Gewalt in Paarbeziehungen knüpfen daran an Weiter gefasst ist häusliche Gewalt die auf den sozialen Nahraum der Gewaltausübung bzw die persönliche Nähe Beziehung von Täter in und Opfer abstellt Kinder und pflegebedürftige Ange hörige aller Geschlechter werden dadurch begriff lich eingeschlossen Kahl 2018 2 Lockdown 2 0 Is time flying towards Christmas https www ljmu ac uk about us news articles 2020 11 23 lockdown 2 d 0 is time flying towards christmas Zugriff 6 12 2020

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