EXTREMISMUSPRÄVENTION 13forum kriminalprävention 1 2021 Menschen insofern immer seltener geteilt Für die anderen beiden Indi katoren findet sich hingegen kein ent sprechend starker Rückgang Die Zu stimmung zu militanten Einstellungen liegt in jedem Erhebungsjahr bei etwa 5 Prozent Für das linksextreme Ver halten ergibt sich ein leichter Rück gang von 2 4 auf 1 5 gefolgt von ei nem leichten Anstieg auf 1 7 Dies bedeutet dass zwar nur ein kleiner Teil der Jugendlichen eine Gewaltbe reitschaft zeigt hinsichtlich Einstel lungen wie Verhalten dieser Anteil ist über die Jahre hinweg aber mehr oder weniger gleich geblieben Geprüft wurden zudem die Korre lationen zwischen den Einstellungs skalen und dem Verhaltensindex Die Einstellungsskalen korrelieren in mitt lerer Höhe miteinander 5 Dies bedeu tet dass beide Einstellungen nicht identisch sind und separat hinsicht lich möglicher Einflussfaktoren be trachtet werden sollten Gleiches gilt mit Blick auf das Verhalten Die Kor relationen der Einstellungsskalen mit dem Verhaltensindex fallen eher nied riger aus 6 Neben der Verbreitung linksextre mer Einstellungsmuster und Verhal tensweisen ist von besonderem In teresse welche Einflussfaktoren die Hinwendung zu diesen begünstigen können Hierzu wurde eine ganze Rei he bivariater Korrelationsanalysen be rechnet Die niedersachsenweiten Be fragungen eignen sich aufgrund ihres Mehr Themen Charakters dazu eine Vielzahl an Einflussfaktoren zu prü fen Eine Auswahl der Ergebnisse ist in Tabelle 1 dargestellt 7 Hinzuweisen ist zunächst darauf dass sozio demografische sowie fa milienbezogene Faktoren kaum mit Linksextremismus in Beziehung ste hen Männliche Befragte befürworten allerdings signifikant häufiger militan te Einstellungen eine höhere Bildung schützt hingegen tendenziell vor an archistischen und militanten Einstel lungen Zusätzlich gilt dass elterliche Zuwendung und elterliches Kontroll verhalten Schutzfaktoren linksex tremer Einstellungen sind Der Sozial status die Vereinszugehörigkeit die Religiosität oder die regionale Her kunft spielen für die Zustimmung zum Linksextremismus hingegen kei ne Rolle Bedeutsame Risikofaktoren finden sich hingegen in den Sozialisationsbe reichen Freunde Schule und Medien Persönlichkeit und Verhaltensauffäl ligkeiten Einen engen Zusammenhang gibt es bspw zwischen der Bekannt schaft mit delinquenten Freun den und Linksextremismus Wenn Befragte entsprechende Freund schaften haben dann geht dies mit einer höheren Zustimmung zu linksextremen Einstellungen und einem häufigeren Ausüben links extremen Verhaltens einher Für den Schulbereich gilt daneben dass erstens schlechtere Schulleis tungen mit einer Befürwortung des Linksextremismus einherge hen Zweitens reduziert eine hö here Schulbindung insbesondere die Zustimmung zu linksextremen Einstellungen Drittens findet sich Gleiches auch für die Interventions bereitschaft der Lehrkräfte Positi ve schulische Erfahrungen haben also zur Folge dass man sich weni ger stark von der bestehenden ge sellschaftlichen Ordnung abwen det Ebenfalls eine Rolle spielt der Me dienkonsum Zumindest in den Be fragungen der Jahre 2013 bis 2017 kann dabei einerseits der Zusam menhang zwischen Gewaltmedi enkonsum z B Horrorfilme sehen Gewaltspiele spielen und Linksex tremismus betrachtet werden Die Auswertungen zeigen dass ein häufigerer Gewaltmedienkonsum die Zustimmung zu linksextremen Einstellungen ebenso verstärkt wie die Ausübung linksextremen Ver haltens Andererseits wurde auch der spezifisch linksorientierte Me dienkonsum erhoben Hierbei soll ten die Jugendlichen einschätzen wie häufig sie linke Zeitungen lesen Texte von im linken Milieu geschätz ten Autoren lesen Musik linker Gruppen hören oder Internetsei ten mit linkem Inhalt besuchen Jede Form des linksorientierten Medienkonsums wurde dabei mit Beispielen illustriert Zeitungen z B Junge Welt Texte z B Mao Musik z B Rasta Knast Internet seiten z B Indymedia Je häufiger junge Menschen derartige Medien konsumieren umso stärker stim men sie anarchistischen und mi litanten Einstellungen zu Zusätz lich ergibt sich ein bedeutsamer Zusammenhang mit dem linksex tremen Verhalten Der linksorien tierte Medienkonsum ist daher alles in allem recht folgenreich sowohl für die Einstellungen als auch das Verhalten Da sich Jugendliche über den eigenen Medienkonsum austauschen und über diese Inhal te informieren kann auch hier die Gruppenzugehörigkeit ein nicht zu vernachlässigender Faktor sein Werden verschiedene Merkma le der Persönlichkeit betrachtet so zeigt sich zunächst dass Empathie für linksextreme Einstellungen bedeut sam ist Je höher dieses Merkmal aus geprägt ist desto niedriger fällt die Zustimmung zur Militanz und etwas weniger zum Anarchismus aus Auf Verhaltensebene hat Empathie aller dings keine Wirkung Dies ist aber für das Merkmal der niedrigen Selbstkon 5 Der Korrelationskoeffizient r liegt zwischen 41 und 49 je nach Erhebungsjahr 6 Die Korrelationen zwischen Anarchismus und linksex tremem Verhalten liegen zwischen 04 und 14 zwi schen Militanz und Verhalten zwischen 14 und 23 7 Die Auswertungen wurden getrennt für die Jahre 2013 bis 2017 und 2019 durchgeführt weil 2019 teilwei se andere Messinstrumente zur Erfassung von Links extremismus eingesetzt wurden Abbildung 1 Zustimmung zu linksextremen Einstellungen und Verhalten in gewichtete Daten

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